TEST

Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des Herrn festgegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen. (Jesaja 2,2)

Freitag, 25. November 2011

Das Reich Gottes (Teil 3) - Die ganze Schöpfung wartet ...

Wenn man manchen Endzeitpredigern zuhört, dann gibt es anscheinend nur eine einzige Hoffnung für diese Welt: die Wiederkunft von Jesus Christus. Die Macht Satans ist so groß, und das Böse so allgegenwärtig, dass die Gemeinde nur beten und hoffen kann, dass der Herr bald wiederkommt. Immer wieder werden die dramatischen und katastrophalen Ereignisse der Weltgeschichte als Beleg dafür herangezogen, dass alles immer schlimmer wird. Sie scheinen ganz im Einklang mit den Voraussagen Jesus in den Endzeitreden und den Visionen des Johannes in der Offenbarung zu sein. Die Welt liegt wahrlich in Wehen! Das beschreibt auch Paulus im achten Kapitel des Römerbriefes, doch kommt er, was den Lösungsansatz betrifft, zu ganz anderen Schluss­fol­ge­run­gen, als die meisten heutigen Endzeitspezialisten:
Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen – nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat – auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes. Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht? (Römer 8,18-24) 
Wenn es hier heißt, dass die ganze Schöpfung seufzt und auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet, dann ist damit nicht die Wiederkunft Jesus gemeint. Es heißt ja nicht: auf das Offenbarwerden des Sohnes Gottes, nein, „Söhne“ steht in der Mehrzahl. Die Schöpfung wird nicht freigemacht von der Vergänglichkeit zur wunderbaren Freiheit des Sohnes Gottes, sondern der „Kinder Gottes“. Wir sind gemeint! Wir haben einen Wiederherstellungs- und Versöhnungsauftrag für die ganze Schöpfung. Dann vergleicht Paulus es mit unserem Seufzen nach der Vollendung der Erlösung, nämlich einen neuen Leib zu bekommen. Fälschlicherweise wurde dieser Vergleich so ausgelegt, dass die Erlösung der Schöpfung erst bei der Wiederkunft Jesus geschieht, wenn auch wir unseren neuen Leib bekommen. Der Text gibt dies jedoch nicht so wieder. Er sagt lediglich, dass, genau wie wir, auch die Schöpfung seufzt.

Das ganze achte Kapitel des Römerbriefes handelt nicht von der Erwartung der Wiederkunft Jesus, sondern von unserem Wandel in der Überwindung des jetzigen Zeitalters mit Hilfe des Heiligen Geistes. In diesem Kontext stehen diese Verse. Für mich bedeutet es ohne Zweifel, dass durch unseren Wandel als Überwinder die Kraft der Erlösung im Lauf der Geschichte immer mehr offenbar wird, und zwar zur Erlösung der ganzen Schöpfung. Paulus ermutigt die Gläubigen der damaligen Zeit – die geprägt war von starker Verfolgung – im Bewusstsein des Sieges der neuen Schöpfung und in der Hoffnung auf „bessere Zeiten“ (der kommenden Herrlichkeit), niemals aufzugeben und fest zu bleiben, auch mitten in Anfechtung. Wäre es nicht fatal, wenn all die Bemühungen der Gläubigen, durch alle Zeitalter der Gemeinde hindurch siegreich zu sein, am Ende komplett zunichte gemacht würden? Es wäre ungefähr so, wie wenn man den Lehrling eine jahrelange Ausbildung machen lässt, bei der Abschlussprüfung aber dann der Chef selbst kommt und das Meisterstück macht. Das ergibt absolut keinen Sinn. Aber genau das wollen uns der Dispensationalismus, der Dualismus und die populäre Eschatologie weismachen: alle Bemühungen des Evangeliums können die sichtbare Welt nicht verändern, nur im Inneren die ewige Seligkeit für ein zukünftiges himmlisches Reich bewirken.

Das hebräische und biblische Verständnis lehrt uns, dass die Kräfte des Reiches Gottes hier und jetzt in uns wirksam sind und aus uns fließen, um diese Welt zu heilen und zu erretten. Wir warten nicht nur auf eine zukünftige Manifestation des Reiches, sondern glauben, dass dieses Reich schon jetzt in uns ist und durch uns wirkt.

Manifestationen des Heils 

Dass es verschiedene Stufen der Offenbarung und ein Wachstum des Reiches Gottes gibt, ist ohne Zweifel. Das Heilshandeln Gottes ist als Realität immer in folgenden drei Stufen präsent:

  1. als vollendete Tatsache 
  2. als kontinuierlicher Prozess, und 
  3. als zukünftige Vollendung. 
Dies kann am Beispiel der Errettung sehr schön erkannt werden. Wir „haben die Errettung, die Vergebung der Sünden durch sein Blut“. Dies ist eine vollendete Tatsache. Jedoch spricht die Bibel gleichzeitig von der Errettung als einem andauernden Prozess, in dem das „Wort Gottes die Kraft hat, unsere Seelen zu erretten“ und nicht zuletzt spricht Petrus von der „Errettung, die bereit ist, in den letzten Tagen geoffenbart zu werden“ und Paulus von der vollkommenen Erlösung, die erst dann existent wird, wenn wir einen neuen Leib haben. Weitere Wahrheiten in ihrer dreifachen Realität werden aus folgender Tabelle ersichtlich: 

Vollendete Tatsache Kontinuierlicher Prozess Zukünftige Vollendung
Errettung
...in wel­chem wir die Er­­lö­sung haben durch sein Blut, die Ver­­gebung der Ver­geh­un­gen, nach dem Reich­tum sei­ner Gnade...(Eph 1,7) ...und em­pfanget mit Sanft­­mut das ein­ge­pflanzte Wort, das eure Seelen zu erretten vermag. (Jak 1,21) ...auch wir selbst seufzen in uns selbst, er­wartend die Sohn­schaft: die Erlö­sung unseres Lei­bes. (Röm 8,23)
Heilung
...durch seine Strie­men ist uns Hei­lung geworden. (Jesaja 53,5) Und das Ge­bet des Glaubens wird den Kranken heilen,... (Jak 5,15) Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, ... noch Schmerz wird mehr sein; ... (Off 21,4)
Sieg über das Böse
...als er die Fürstentümer und die Gewalten ausgezogen hatte, stellte er sie öffentlich zur Schau, indem er durch dasselbe über sie einen Triumph hielt. (Kol 2,15) Unterwerfet euch nun Gott. Widerstehet dem Teu­fel, und er wird von euch fliehen. (Jak 4,7) Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. (1. Kor 15,25)
Heiligung
Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, welcher uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung,... (1. Kor 1,30) Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den HERRN sehen,... (Hebr 12,14) Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass, wenn es offenbar werden wird wir IHM GLEICH sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. (1. Joh 3,2 )

Ebenso ist es mit dem Reich Gottes. Es ist nicht momentan nur geistlich und in Zukunft sichtbar. Es ist aber sehr wohl eine vollendete Tatsache, gleichzeitig ein kontinuierlicher Wachstums­prozess und wird beim Kommen des Herrn in Vollendung offenbart. Dabei ändert sich nicht das Wesen dieses Reiches (sichtbar oder unsichtbar), sondern nur das Maß der Offenbarung.

Fortsetzung folgt ... (hier finden sie Teil 2 und Teil 1 dieser Artikel-Serie)

Dieser Artikel ist eine Auszug aus meinem Buch "Um Himmels willen" (auch als E-Book erhältlich), erschienen im ID-DESIGN Medien Verlag. 


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