TEST

Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des Herrn festgegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen. (Jesaja 2,2)

Montag, 29. August 2011

Das Reich Gottes (Teil 2) - Ist Gott ein Diktator?

Gott als Herrscher dieser Welt! Wäre das nicht wunderbar? Genau das ist doch das Ziel und die Absicht des Evangeliums. Paulus spricht davon, dass eines Tages alles wieder unter ein Haupt gebracht werden wird:
… damit es ausgeführt würde in der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zu bringen in Christus, was im Himmel und was auf Erden ist, in ihm. (Eph 1,10 - SLT)
Es ist genau dasselbe, was in Offenbarung 11 geschrieben steht:
Und der siebente Engel posaunte: und es wurden große Stimmen im Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unsres HERRN und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Off 11:15 LUT)
Also, es läuft alles auf eine Theokratie hinaus. Gott wird herr­schen! Nun kommen wir zu einer wichtigen Frage: Wie wird das geschehen? Die Eschatologie der Verzweiflung geht davon aus, dass alle Anstrengungen der Gemeinde mit dem Evangelium am Ende doch erfolglos sein werden. Die Welt fällt dem Bösen anheim und die Gläubigen müssen entrückt werden. Erst wenn Jesus sichtbar wiederkommt, vernichtet er alles Böse und richtet die 1000-jährige Theokratie auf der Erde auf. Gott wird sozusagen zum „Diktator“! Wenn wir davon ausgehen, dass zur Zeit der Ankunft Jesus die Gemeinde nicht mehr auf der Erde sein wird, sondern nur noch die Gottlosen – und diese in großer Zahl – dann ist es doch erstaunlich, dass in einem Augenblick die ganze Welt nun plötzlich zu den Füßen Jesus liegen soll. Na klar, Satan wird ja gebunden werden und deshalb gibt es nichts Böses mehr und alle Menschen werden Gott dienen. Eine durchaus böse und gottlose Gesellschaft wird nun plötzlich zu einer Gott anbetenden Gemeinde? Das scheint mir doch fast zu phantastisch zu sein. Dazu kommt noch, dass das Reich Gottes in Form des 1000-jährigen Reiches ja auch nur eine Attrappe ist, denn wenn der Satan am Ende dieser Zeit losgelassen wird, werden die meisten wieder vom Herrn abfallen. Man möge es mir verzeihen, aber ich kann mich beim besten Willen mit dieser Vorstellung nicht anfreunden. Sie erscheint mir meilenweit von dem entfernt zu sein, was die Bibel über Gottes Absichten, über sein Wesen und über das Wesen seines Reiches lehrt.

Was ich damit sagen will ist Folgendes: Das Werkzeug, durch das Gott seine Herrschaft aufrichtet, ist das Evangelium! Die Frohe Botschaft hat die Absicht, die tiefen Überzeugungen des Menschen zu verändern und in ihm das Bild Gottes wie­der­her­zu­stel­len. Paulus ist so von der revolutionären Kraft dieser Botschaft überzeugt, dass er ihre Auswirkung als „neue Schöpfung“ bezeichnet. Wenn man die Bedeutung dieser Worte von Paulus einmal über die pietistisch individuelle Heilserfahrung des Einzelnen hinaus betrachtet, dann erkennt man darin durchaus eine eschatologisch heilsgeschichtliche Aussage: die gefallene Schöpfung wird durch die Kraft des Kreuzes wiederhergestellt, ja sogar neu geschaffen. Die Hoffnung der Schöpfung ist also nicht der wiederkommende Christus als Diktator einer neuen Weltordnung, sondern die alles erneuernde Kraft des Kreuzes, die sich in der Botschaft des Evangeliums manifestiert. Die wunderbare Botschaft der rettenden und wiederherstellenden Gnade verändert den Menschen von innen heraus und bringt dadurch den Einfluss Gottes wieder zurück in die Welt. Theokratie bedeutet nicht, dass Gott oder gar ein Mensch an seiner Stelle als Diktator herrscht. Theokratie bedeutet, dass das Bild Gottes im Menschen wiederhergestellt wird, und dieser in Verantwortung vor Gott und seinen Mitmenschen im Wesen und in der Natur Gottes auf der Erde lebt. Gottes Regierung drückt sich im Einzelnen aus, der als wiederhergestellter Mensch in seinem eigenen Leben regiert und herrscht:
Denn wenn durch die Übertretung des Einen der Tod durch den Einen geherrscht hat, so werden vielmehr die, welche die Überschwänglichkeit der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus; (Röm 5,17)
Diese Verwandlung von innen nach außen beschreibt Jesus in seiner Antwort an die Pharisäer. Es wäre zu fragen, ob ein Tausendjähriges Reich nicht zutiefst diesem Wesen des Reiches Gottes widerspricht. Gott will die tiefen Überzeugungen des Menschen durch sein Wort verändern, und ihnen nicht sein Reich „aufzwingen“. Paulus nennt dies, den „Glaubensgehorsam in allen Nationen auf­zu­richten“ (Römer 1,5; 16,26). Jesus nennt es, „alle Nationen zu Jüngern machen“ (Mat 28,19).

Fortsetzung folgt ... (hier finden sie den Teil 1 dieser Artikel-Serie)


Dieser Artikel ist eine Auszug aus meinem Buch "Um Himmels willen" (auch als E-Book erhältlich), erschienen im ID-DESIGN Medien Verlag.

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