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Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des Herrn festgegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen. (Jesaja 2,2)

Freitag, 25. Februar 2011

Religionsfreiheit und christliche Gesellschaft - geht das?

Die allgemeine Diskussion über die Gefahren des Islam, über integrationsverweigernde Muslime und radikale, politische Islamisten in unserem Land jagen uns beim Gedanken einer Verquickung von Politik und Religion einen unheimlichen Schauer und eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Wenn wir nun als überzeugte Christen davon sprechen, dass unsere Gesellschaft christlicher werden muss und wir uns dafür einsetzen, dass unser Land im biblisch, christlichen Sinn transformiert wird, dann vermutet der von den Medien indoktinierte und "freiheitsliebende" Durschnittsbürger ganz schnell den schlimmen, schlimmen Fundamentalismus dahinter und setzt sich mit aller Wehemenz den rechtsgericheteten und radikalen Evangelikalen entgegen, die mit ihrer Ideologie die Gesellschaft unterwandern wollen. Verträgt sich denn nun die christliche Lehre und das christliche Leben mit dem demokratischen Grundsatz der Religionsfreiheit? Ich bin zutiefst davon überzeugt.

Zuerst muss festgestellt werden, dass auch das Christentum keine apolitische und vom gesellschaftlichen Leben getrennte Religion ist. Ernsthafte Christen würden bereits bestreiten, dass das Christentum überhaupt eine Religion ist. Zu behautpen, das Christentum sei unpolitisch wäre Geschichtsverleugnung. Es gibt keinen anderen Einfluss, der wie das Christentum diese Welt derart nachhaltig - zum positiven - verändert hat. Die griesgrämigen und von tiefem Gottes- und Kirchenhass getriebenen Atheisten, die immer wieder die schrecklichen Verfehlungen des Christentums hervorholen vergessen oder blenden bewusst die wunderbaren Errungenschaften unserer Gesellschaft aus, die wir allein der christlichen Lehre und vom christlichen Glauben überzeugten Menschen zu verdanken haben. An dieser Stelle würde es mich reizen in dieser Hinsicht einen Vergleich mit dem Islam - oder auch dem Atheismus - anzustellen, doch ich verkneife es mir.

Also, das Christentum hat(te) eine enorme Kraft, unsere Gesellschaft zu verändern. Die der aufgeklärten und vom Rationalismus bestimmten Gesellschaft entspringende Vorstellung, dass der Glaube etwas sei, das nichts mit dem alltäglichen Leben zu tun haben darf, ist schlichtweg unsinnig und lachhaft. Echter Glaube wird immer das Verhalten der Menschen in ihrem gesamten Leben mit allen Bereichen des Alltags bestimmen. Denn Glaube bedeutet Überzeugung. Wohl stimme ich der Tatsache zu, dass eine Religion, die nur noch aus unverständlichen und passiv erlebten Ritualen besteht, die an einem besonders heiligen Tag und ohne Bezug zum alltäglichen Leben vollzogen werden, wohl nicht das Leben der Menschen bestimmt, die sie über sich ergehen lassen. Doch das ist in meinen Augen kein Glaube, sondern tote Religion; und dass ist ein grosser Unterschied! Denn Glaube bedeutet, tiefe Überzeugungen über Gott, sich selbst und seine Umwelt in sich zu tragen, die mit lebensbestimmenden Werten und Maximen verknüpft sind. Diese beeinflussen dann in der Tat nicht nur marginal das gesamte Verhalten im alltäglichen Leben dessen der sie in sich trägt. Menschen die in vorhin besagter Form nur religiös sind haben zwar auch tiefe Überzeugungen und Maximen nach denen sie leben, doch haben diese in der Tat nichts mit ihrer Religion zu tun. Das ist einer der Gründe, warum grosse Teile des Christentums in unserer westliche Welt kraftlos und irrelevant geworden sind.

Doch was kann das echte Christentum bewirken und wie kann es wieder unsere Gesellschaft zum Guten verändern? Während der Islam mit Gewalt, Korruption, Unterdrückung und Indoktrination arbeitet, funktioniert die wahre christliche Erneuerung einer Gesellschaft genau umgekehrt. Und deshalb steht gesellschaftsveränderndes Christsein mit demokratischen Grundsätzen nicht im Konflikt. Während der Islam nur dort stärker werden kann wo sein Machtapparat uneingeschränkt funktioniert, kann das Christentum sich nur dort entfalten, wo die grösstmögliche Freiheit herrscht. Denn christlicher Glaube und christliche Überzeugung ist trotz ihres Absolutheitsanspruches nur freiwillig und ohne Zwang wirklich erfahrbar. Welchen Sinn hätte eine Überzeugung, die in Wirklichkeit keine ist, da mir keine Wahl bleibt? Die Verkündigung der christlichen Botschaft ist immer eine Einladung zum Glauben und das Angebot, den Worten von Jesus Christus zu vertrauen. Niemandem darf das aufgezwungen oder indoktriniert werden. Deshalb braucht das Christentum geradezu die freiheitlichste Gesellschaft die denkbar ist. Bereits der Apostel Paulus fordert die ersten Christen dazu auf, für die Regierung zu beten, "damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit." (1. Timotheusbrief 2,2).

Stehen Theokratie und Demokratie im Widerspruch?

Sehr oft wird von christlicher Seite der Begriff Theokratie verwendet um eine möglichst optimale Gesellschaftsform zu beschreiben, in der eben statt - wie in der Demokratie - dem Volk nun Gott regiert. Ein wahrer Graus, wenn man damit die totalitären und menschenverachtenden islamistischen "Gottesstaaten" assoziiert. Doch was bedeutet Theokratie wirklich? Wenn Theokratie die Regierung Gottes bedeutet, dann wäre doch die nächste Frage die wir uns stellen müssen: Wie regiert Gott denn?

Jesus Christus hat bereits zu seiner Zeit die falschen Vorstellungen einer Gottesregierung seiner jüdischen Zeitgenossen zunichte gemacht, indem er sagte: "Das Königreich Gottes (die Theokratie) kommt nicht mit äusserlichen Gebärden, sondern es ist inwendig von Euch!" (Lukas 17,20). An einer anderen Stelle beschreibt Christus die weltlichen Regenten der damaligen Zeit damit, dass sie "ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen." (Matthäus 20,25)

Was Jesus damit sagen will ist Folgendes: Die Christliche Botschaft ist nicht eine Ideologie oder ein Denksystem, dass den Menschen von aussen aufgezwungen werden kann. Christsein bedeutet eine lebensverändernde Erfahrung zu machen, die Wahrheit und Weisheit in dem Innersten eines Menschen bewirkt und ihn und auch sein Verhalten verändern. Während alle weltlichen und auch religiösen Systeme "von aussen nach innen" wirken, so funktioniert die christliche Erfahrung "von innen nach aussen". Christsein bedeutet, eine Begegnung und eine lebensverändernde Erfahrung mit Gott zu machen, der unser Innerstes zu verändern vermag, so dass Werte und Maximen in uns entstehen, die dann unser Verhalten und unser alltägliches Leben verändern können. Diese Erfahrung kann niemand erzwingen, machen, aufdoktrinieren oder auch nur bestimmen. Diese christliche Grunderfahung ist ein ureigenstes Wirken Gottes an einem Menschen, der ihm vertraut und sich ihm anvertraut, aufgrund der guten Botschaft, die er über Jesus Christus gehört hat.

Die gesellschaftlich relevante Transformation findet im Christentum also nicht durch ein religiös-politisches System statt, das aufgerichtet wird, sondern durch innere Transformation des Menschen. Im Gegenteil, ein religiöses - auch ein christlich religiöses - System wird diesen lebensverändernden Prozess wahren Christentums unterdrücken und verhindern, weil es versucht von aussen nach innen zu bewirken was nur von innen nach aussen funktioniert. Mit anderen Worten: Gott regiert nicht durch ein religiöses System oder gar durch religiöse Führer, sondern durch jeden einzelnen Menschen, in dem er wohnt und in dem er seine lebensverändernde Kraft wirksam werden lässt. Gottes Einflussnahme ist immer dezentral und freiheitlich-freiwillig. Gottes Wesen drängt sich nicht auf, sondern lädt ein zu Vertrauen.

Dieses liebende und gnadenvolle Wesen Gottes, das mir in der christlichen Botschaft begegnet ist es, was mich zutiefst vom Christentum überzeugt. Und dieses Wesen Gottes ist es, das - reflektiert und reproduziert in vielen Menschenherzen - diese Gesellschaft verändern und heilen kann.

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