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Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des Herrn festgegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen. (Jesaja 2,2)

Freitag, 5. November 2010

Apocalypse now?

Erinnern Sie sich noch an Edgar Whisenant? Er schrieb einen Bestseller mit dem Titel "88 Gründe, warum die Entrückung 1988 sein wird", - und einen etwas weniger bekannten Nachfolgeband "Der letze Schlachtruf: Entrückungsreport 1989". Im zweiten Buch sagte er, dass Jesus 1988 nicht kam, weil er sich um ein Jahr verrechnet habe. Die Stimmung der 80er Jahre war nicht die Beste. Nachdem Ronald Reagan als Präsident gewählt wurde, mutmaßten viele Christen, dass Leonid Breschnew der Antichrist sei. Als er starb, gaben sie den Titel einfach an den nächsten Präsidenten der Sowjetunion Yuri Andropov und dann seinem Nachfolger Konstantin Chernenko weiter. Als Chernenko dann unerwartet starb, war natürlich Michail Gorbatschow der Antichrist, schließlich hatte er ja das "Mal des Tieres" auf seiner Stirn.

Aber Jesus kam auch nicht zurück während Gorbatschows Amtszeit. Tatsache ist, dass das sowjetische System zerfiel und christliche Missionare überall auf russischem Boden Hochkonjunktur hatten. Doch schon bald fanden die "Weltuntergangspropheten" jemand anderes, dem die Schuhe des Antichristen wie angegossen passten. Zuerst war es Bill Gates und dann Osama Bin Laden. Heute schwanken sie zwischen Hugo Chavez und Mahmoud Ahmadinejad.

Wir wurden immer wieder hin- und hergeworfen von albernen Gerüchten über die globale Verschwörung. Jemand warnte einmal sogar, dass auf der Kreditkarte von J.C.Penney das Zeichen des Tieres zu finden wäre. Wenn man all den Unsinn glaubt, der so im Internet herumschwirrt, dann finden wir es sogar auf der Geburtsurkunde von Barak Obama.

All diese törichten Prognosen beunruhigen mich zutiefst, denn Jesus sagte es unmissverständlich: "Es ist nicht eure Sache, die Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat." (Apg 1,7). Wir haben in keinster Weise das Recht, den Zeitpunkt seiner Wiederkunft oder des letzen Gerichts vorauszusagen.

Der Apostel Paulus warnte die erste Gemeinde davor, sich an irgendwelchen Zeitrechnungen oder -spekulationen zu beteiligen. Er sagte zu Timotheus: "Die törichten und unverständigen Streitfragen aber weise zurück, da du weißt, dass sie nur Streit erzeugen." (2. Tim 2,23). Paulus wollte, dass die Gläubigen die wichtigste Sache niemals aus den Augen verloren: das Evangelium allen Menschen zu verkündigen.

Die Christen hatten schon immer unterschiedliche Sichtweisen über die Endzeit. Prämillennialisten legen den Focus sehr stark auf die Entrückung - ein Ereignis von das Neue Testament spricht. Die Postmillennialisten betonten zu allen Zeiten den Triumph Christi in der Geschichte - das Hauptthema der Offenbarung.

Wenn Menschen mich fragen, welche Position ich hätte, dann sage ich meist; "Ich bin ein Pan-Millennialist" (von engl. "It will all pan-out" übers. "Es wird alles gut!"). Ich weiß gewiss, dass Jesus siegreich wiederkommen wird. Aber viele der Dinge die davor geschehen können wir nicht "ausknobeln". Jeder, der von sich selbst behauptet ein Experte der Endzeit zu sein, dem sage ich immer wieder: "Um jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern allein mein Vater." (Mt 24,36)

Was mich am meisten besorgt bei all der ungesunden Überbetonung der Eschatologie ist die Tatsache, dass es uns von der Evangelisation ablenkt. Menschen, die vom "Entrückungswahn" fortgetrieben werden, haben die Tendenz eine Fluchtmentalität zu entwickeln. Ich habe viele Christen getroffen, die gerne hätten dass Jesus schon morgen zurückkommen würde, obwohl sie genau wissen, dass es in Afrika und Asien noch ganze Volksstämme gibt, die noch nie das Evangelium gehört haben. Im Gegenzug dazu habe ich selbstgefällige Postmillennialisten kennengelernt, die so froh waren, dass das Königreich Gottes sich ausbreiten wird, dass sie ebenfalls vergessen haben zu evangelisieren. Und dann kenne ich noch Christen, die so mit Israel beschäftigt sind, dass sie den Rest der Welt vergessen. In all diesen Fällen führt eine ungesunde Überbetonung der Eschatologie dazu, dass der Missionsbefehl in Vergessenheit gerät.

Keine der Bewegungen Gottes in der Vergangenheit wurden ausgelöst vom Entrückungswahn, Zeitrechnungen oder Endzeitseminaren. John Wesley predigte die Versöhnung in Christus und die Realität der Hölle. William und Catherine Booth weinten für Seelen und predigten überall in England die Errettung durch Christus. Der Erweckungsprediger Charles Spurgeon ermahnte die Prediger seiner Zeit wegen ihrer endlosen Endzeitspekulationen.

Er schrieb: "Oh, dass der gekreuzigte Christus doch wieder die einzige Bürde aller Männer Gottes wäre. Ihr Mutmaßt über die Zahl des Tieres ... und spekuliert über die Person des Antichristen - bitte nehmt es mir nicht übel, wenn ich das Ganze mit dem Nagen eines Hundes an einem alten Knochen vergleiche. Während Menschen sterben und die Hölle sich füllt erscheint mir das Gestotter über Armageddon als äußerster Blödsinn. Ich würde lieber ein einziges Holzscheit aus dem Feuer retten als alle Geheimnisse erklären zu können“.

Wenn nur die Kirche in Amerika diese ganzen Ablenkungen hinter sich lassen würde und zu dem zurückkehrt was wirklich zählt!

J. Lee Grady, Redakteur von Charisma (USA) - http://twitter.com/leegrady
Ins Deutsche übersetzt von Bruno Zimmerli

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